Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

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LVR-LandesMuseum Bonn

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Vorschau

 

Renaissance am Rhein

16. September 2010 bis 6. Februar 2011

 

Detail des Triptychons mit Heiliger Barbara

Umkreis Joos van Cleve, Triptychon mit thronender Madonna und Heiligen, um 1525/30
Detail des rechten Seitenflügels mit Heiliger Barbara, LVR-LandesMuseum Bonn


Zum ersten Mal werden Kunst und Kultur der Renaissance der Städte und Landschaften am Rhein in einer großen Ausstellung erlebbar. Rund dreihundert Exponate von über hundert verschiedenen Leihgebern aus dem In- und Ausland machen das Zeitalter von Humanismus, Reformation und Gegenreformation lebendig. Im Mittelpunkt stehen die Menschen dieser Epoche, von Fürsten und Gelehrten bis hin zu Künstlern und Bürgern.

Geschichtlicher Zusammenhang
Wir stellen die Länder am Rhein in ihren europäischen Bezügen vor. Kunstwerke und Objekte erzählen von großen Ereignissen, etwa die Belagerung von Neuss durch den burgundischen Herzog Karl den Kühnen von 1475, die Kölner Reichstage Kaiser Maximilians in den Jahren 1505 und 1512, die Krönungen der Kaiser Karl V. und Ferdinand I. von 1520 und 1531 in Aachen. Auch begegnen dem Besucher Schicksale und Lebenswege von zehn historischen Personen, vom Bürger Hermann Weinsberg, der sein Leben in einem Tagebuch festgehalten hat, über den vielbeschäftigten Künstler Bartel Bruyn den Älteren bis zum ideenreichen Verleger Michael von Eitzing.

Innovationen
Die Ausstellung widmet sich anhand von zehn vertiefenden Leitthemen den damaligen gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Neuerungen.
Im Zentrum stehen die klassischen bildenden Künste mit ihren Neuerungen der perspektivischen Malerei und der wirklichkeitsnahen Porträtkunst. Vorgestellt wird auch die mediale Revolution durch den Buchdruck. Er hatte ein Zentrum in Köln, wo einige der schönsten Druckwerke des sechzehnten Jahrhunderts entstanden.
Entdeckungsfahrten veränderten das Bild der Welt nachhaltig. Kartographen, die in Köln und Duisburg tätig waren, prägen bis heute mit ihren Darstellungen die Vorstellung von der Gestalt der Welt. Indigo aus Asien und Amerika ruinierte die rheinische Färberindustrie und zwang zum wirtschaftlichen Umdenken - ein frühes Beispiel der Globalisierung.
Die technischen Neuerungen im Bergbau führten zu erhöhtem Kapitalbedarf und revolutionierten das Bankwesen. Sie verursachten aber auch massive Umweltzerstörungen. Viele historische Fragen und Antworten des sechzehnten Jahrhunderts haben Auswirkungen bis in unsere Zeit, die vor ähnlichen Herausforderungen steht.

Lebenswelten      
Die Ausstellung taucht in die verschiedenen Lebenswelten der Renaissance ein und folgt dabei der zeitgenössischen Aufteilung der Gesellschaft in Stände.
Den Auftakt machen die Höfe als wichtige kulturelle Zentren, so bei den geistlichen Herrschern von Köln, Mainz, Trier und Lüttich sowie dem weltlichen Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Das prunktvolle Mäzenatentum der Fürsten zeigen Kunstwerke aus den großen Museen der Welt und zahlreichen Privatsammlungen. Die Welt des niederen Adels vertritt Rutger von der Horst mit seinem ambitionierten Schlossbau im heutigen Essen.
Breiten Raum nehmen das Bürgertum und besonders die Kölner Patrizier ein. Das dörfliche Leben zeigt sich im Spannunbgsfeld zwischen humanistischem Ideal und konfliktbeladener Wirklichkeit: Während der Humanist Konrad Heresbach die ländliche Sphäre im Geiste antiker Dichter idyllisch überhöhte, wurden den Bauern grundlegende Rechte und Freiheiten vorenthalten.


Heinrich Aldegrever, Porträt Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg, 1540

Heinrich Aldegrever, Porträt Herzog Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg, 1540


Köln als Zentrum der Stadtkultur am Rhein
Reformationsversuche - die gab es auch im streng katholischen Köln. Wir berichten von einer weltoffenen Stadt am Rhein, von ihrer Stellung als mächtiges Handels- und Kommunikationszentrum, von der beinahe gescheiterten Gegenreformation und von der Kraft des aufstrebenden Bürgertums.
Ein zentrales Stück der Ausstellung ist die großformatige Vogelflugansicht Kölns von Arnold Mercator aus dem Jahr 1571. Dieser Plan bildet die wohl bedeutendste europäische Stadtvedute aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts. Auf seiner Basis haben wir eine aufwendige Computeranimation eigens für diese Ausstellung entwickelt. Sie ermöglicht dem Besucher einen lebendigen Blick in das städtische Gefüge vor über vier Jahrhunderten.
Köln war in der Renaissance ein Zentrum des Humanismus, des Antikenstudiums und der Kunst. Dabei spielten zahlreiche Glaubensflüchtlinge eine Rolle, die hier eine Bleibe fanden. Auch die Wehrhaftigkeit der Stadt stellen wir vor, und dieses Thema stand für die Zeitgenossen durchaus den Künsten nahe. Die im Sinne der damals aktuellen Festungsbaukunst erneuerten Mauern werden durch eine aufwendige dreidimensionale Rekonstruktion im digitalen Format eindrucksvoll visualisiert.


Plan der Stadt Köln aus dem Jahr 1571 von Arnold Mercator

Plan der Stadt Köln aus dem Jahr 1571 von Arnold Mercator


Literatur und Musik
Kein Jahrhundert zuvor hinterließ so viele schriftliche Zeugnisse wie das sechzehnte. Die Ausstellung präsentiert in reicher Auswahl das kostbarste Material des Zeitalters, das bedruckte Papier. Vor allem werden diese Zeugnisse lesbar: Alle aufgeschlagenen Buchseiten, oft im Humanistenlatein verfasst, erscheinen für die Besucher übersetzt. 

Die Ausstellung macht die Renaissance aber auch hörbar: Zahlreiche originale Quellen fließen in die Führung per Audioguide ein. Vor allem aber wird ein wesentlicher Bestandteil der Renaissancekultur des Rheinlandes teilweise erstmals seit fast einem halben Jahrtausend wieder lebendig: Eigens für die Ausstellung wird die Musik des sechzehnten Jahrhunderts von Singer Pur eingespielt, dem derzeit führenden deutschen Vokalensemble für die Klangwelt dieser Epoche. Die CD erscheint bei Oehms-Classic.

Katalog
Ein umfangreicher Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, mit 540 Seiten und etwa 500 farbigen Abbildungen. Dieser reich illustrierte Band richtet sich an ein breites Publikum.
39,80 Euro (im Buchhandel), 24,80 Euro (in der Ausstellung)

Der Katalog wird ergänzt durch einen Aufsatzband. Hier sind Beiträge eines Kolloquiums zusammengestellt, das im Vorfeld der Ausstellung stattfand. In der Reihe "Rheinische Kunststätten" des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz ein Wegweiser zu den "Orten der Renaissance im Rheinland".

Mitmachbereich für Kinder und Familien
Ein großer Mitmachbereich für Kinder und Familien zu den Themen Perspektive, Optik und Buchdruck lädt ein, die technischen Neuerungen der Renaissance selbst auszuprobieren. Originalgetreue Nachbauten eines Kölner Buchladens und eines Geschäftes für Erd- und Himmelsgloben machen die Medienrevolution der Epoche lebendig. Dort können die Besucher unter fachkundiger Beratung auch Faksimile von Büchern und Globen des sechzehnten Jahrhunderts erwerben.

Begleitprogramm
Unsere Kultur-Dinner (24.11.10/21.01.11) entführen Sie in die Zeit der Renaissance. Die „Erfindertage" (05.11/06.11) wecken die Neugierde und ungewohnte Welten erleben Sie mit dem Wassertheater Lübeck (28.09-01.10.10). Folgen Sie Vorträgen und Diskussionen z.B. am Reformationstag „Wie Medien die Glaubenswelt verändern" und lassen Sie sich in historischer Kleidung durch die Ausstellung führen.

Exkursionen zu Renaissancedenkmälern in der Region und den Innovationsorten der Regionale 2010 werden in Zusammenarbeit mit der Regionale 2010 und der Thomas-Morus-Akademie Bensberg (www.rheinische-welt-ausstellung.de und www.tma-bensberg.de) angeboten.

Alle Termine unter www.landesmuseum-bonn.lvr.de.

Renaissance-Ausstellung: Memorandum (PDF-Datei 1.52 MB)