Zeugnis für die Varusschlacht: Grabstein des Marcus Caelius
Der Grabstein des Marcus Caelius, gefallen in der Varus-Schlacht 9 nach Christus.
Um 10 nach Christus
Fundort: vor 1638 am Fürstenberg zwischen Xanten und Birten, Kreis Wesel
Gekauft 1820
Kalkstein
Höhe 127 cm, Breite 108 cm, Tiefe 29 cm.
Foto: LVR-LandesMuseum Bonn
Dieser Grabstein zählt zu den der berühmtesten Objekte des LVR-LandesMuseums. Allgemein wird angenommen, dass mit dem in der folgenden Inschrift erwähnten Krieg die Varus-Schlacht „im Teutoburger Wald" gemeint ist, die 9 nach Christus wahrscheinlich in der Nähe von Kalkriese stattfand. Sie endete mit der fast vollständigen Vernichtung der drei Legionen, die unter dem Kommando des römischen Feldherrn Publius Quinctilius Varus standen.
Die Inschrift lautet:
M(arco) CAELIO T(iti) F(ilio) LEM(onia) BON(onia)
I] O(rdini) LEG(ionis) XIIX ANN(orum) LIII S
CECIDIT BELLO VARIANO OSSA
[LIB(ertorum) I] NFERRE LICEBIT P(ublius) CAELIVS T(iti) F(ilius)
LEM(onia) FRATER FECIT
Übersetzung:
„Für Marcus Caelius, Sohn des Titus, aus Bologna im Stimmbezirk Lemonia, Hauptmann der 18. Legion; mit 53½ Jahren starb er im Krieg des Varus. Auch die Gebeine (der Freigelassenen) dürfen hier bestattet werden. Publius Caelius, Sohn des Titus, aus dem Stimmbezirk Lemonia, der Bruder, hat (den Grabstein) errichtet."
Grabrelief
Es handelt sich um das älteste römische Grabrelief im Rheinland. Zudem ist es von herausragender handwerklicher Qualität. Der Verstorbene wird eindrucksvoll in einer tempelartigen Nische, deren Giebel auf Pilastern ruht, mit den beiden nach seinem Tod freigelassenen Sklaven dargestellt. Als ranghöchster Hauptmann der 18. Legion hält Caelius einen langen Stab aus Rebenholz als Zeichen seiner Befehlsgewalt in der Hand. Seinen Brustpanzer zieren Ordensscheiben mit dem Haupt der Medusa, Mänaden und einem Löwenkopf. Auch die Hals- und Armreifen sind militärische Auszeichnungen. Der Kranz aus Eichenlaub auf seinem Kopf wurde Caelius verliehen, weil er einem römischen Bürger das Leben gerettet hatte.
In einem Kloster auf dem Fürstenberg bei Kleve vermauert, überstand der Grabstein die Zeiten. Im 17. Jahrhundert kam er in den Besitz des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, des Großen Kurfürsten. Eine der ersten Amtshandlungen Wilhelm Dorows, des ersten Direktors des Museums Rheinisch-Westfälischer Alterthümer in Bonn, des heutigen LVR-LandesMuseums Bonn, war 1820 der Ankauf dieses historisch wie handwerklich bedeutenden Grabsteins.
Standort: Zu finden im Thema „Macht und Mächte", Zweites Obergeschoss, linke Seite