Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

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LVR-LandesMuseum Bonn

Colmantstr. 14-16
53115 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 / 2070 - 0
Fax: +49 (0) 228 / 2070 - 299
E-Mail: info.landesmuseum-bonn@lvr.de

 

 

Öffnungszeiten 
Di.-Fr., So. 11.00 - 18.00 Uhr
Sa. 13.00 - 18.00 Uhr
Mo. geschlossen,

Gruppenführungen für Schulklassen ab 10:00 Uhr möglich


Eintritt:

Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

Kartenvorverkauf bei
bonnticket.de

 

Öffnungszeiten Bibliothek:

Mo. - Fr.: 8.00 - 16.00 Uhr


 

Die Doppelbestattung von Bonn-Oberkassel

Die 1914 bei Steinbrucharbeiten in Bonn-Oberkassel entdeckten Funde gehören zu den wichtigsten spätzeitlichen Überresten in Europa. Die Bergung dieses Zufallsfundes im Steinbruch "Am Stingenberg" ist vor allem zwei aufmerksamen Steinbrucharbeitern zu verdanken, die beim Schuttabfahren plötzlich Knochen im rötlich verfärbten Erdreich entdeckten.

Schwarz-weiß Foto von der Fundstelle

 

 

 

 

 

 

 


Foto: Die Fundstelle im Jahr 1914

Die rötliche Färbung stammt wahrscheinlich vom bei der Bestattung verstreuten Rötel, wie es auch bei anderen steinzeitlichen Gräbern üblich ist.
Weil die Skelette nahezu unversehrt waren, erkannte man sie ohne Zweifel als Menschenknochen. Der Oberkasseler Lehrer und Heimatkundler Franz Kissel machte sich um deren gesicherte Aufbewahrung und Übergabe zur wissenschaftlichen Untersuchung verdient. Er überzeugte den
Steinbruchbesitzer Uhrmacher vom wissenschaftlichen Wert und dieser benachrichtigte Wissenschaftler der Universität. Der Bonner Professor Max Verworn besichtigte die Fundstelle drei Tage später. Die Funde lagen da bereits in einer Sprengstoffkiste. Eine Skizze der Fundlage existiert nicht. Es wurden kleine Nachgrabungen durchgeführt, bei denen jedoch nur festgestellt werden konnte, dass der meiste Teil der Fundschicht bereits zerstört war. Steingeräte fanden sich trotz intensiver Suche nicht.
Bei den Funden handelt es sich um die Skelettreste eines etwa 50-jährigen Mannes und einer rund 25-jährigen Frau, zwei Kunstgegenstände und die Skelettreste eines Hundes. Auffallend sind die beim Mann besonders stark ausgeprägten Muskelansätze, die auf eine außergewöhnliche Körperkraft schließen lassen.
Den Toten waren eine kleine, fragmentierte und flache Figur aus Knochen oder Geweih, die vermutlich einen Hirsch oder ein Reh darstellt, und ein 20 cm langer, polierter Knochenstab mit Tierkopf beigegeben. Der Penisknochen eines Braunbären ist möglicherweise als eine weitere Grabbeigabe anzusehen, da am Knochen nachträglich durch Hämatit überlagerte Schnittspuren erkennbar sind.
Neben den Menschenknochen fand sich auch eines der frühesten bisher nachgewiesenen Hundeskelette.
Die für die Zeit vor rund 14 000 Jahren in Mitteleuropa einzigartige Verbindung einer menschlichen Doppelbestattung mit Kunst und einem der ältesten Haushunde der Welt machen dieses Fundensemble zu einer der wichtigsten Quellen des späten Eiszeitalters. Der renommierte Mainzer Anthropologe Winfried Henke schrieb hierzu: "Die Oberkasseler Individuen bergen somit noch viele...Informationen, die es mit wissenschaftlichem Engagement...zu entdecken gilt; sie sind...Geschichtsquelle ersten Ranges, biologische Archive unserer Vergangenheit" (Winfried Henke In: Roots. Wurzeln der Menschheit. Katalog zur Ausstellung im Rheinischen LandesMuseum Bonn (Mainz 2006) 249).
Leider konnten infolge der unsachgemäßen Bergung die genauen Fundzusammenhänge nicht mehr rekonstruiert werden, doch scheint es sich um eine Doppelbestattung gehandelt zu haben. Eine Nachgrabung des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland unter Leitung von Ralf W. Schmitz und Jürgen Thissen im Fundstellenbereich erbrachte 1994 eine umfangreiche Abfolge von geologischen Schichten, die bereits teilweise altersbestimmt werden konnte. Hierdurch ergab sich das mit 14 000 Jahren gegenüber früheren Datierungen deutlich jüngere Alter der Fundstelle.