Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

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LVR-LandesMuseum Bonn

Colmantstr. 14-16
53115 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 / 2070 - 0
Fax: +49 (0) 228 / 2070 - 299
E-Mail: info.landesmuseum-bonn@lvr.de

 

 

Öffnungszeiten 
Di.-Fr., So. 11.00 - 18.00 Uhr
Sa. 13.00 - 18.00 Uhr
Mo. geschlossen,

Gruppenführungen für Schulklassen ab 10:00 Uhr möglich


Eintritt:

Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

Kartenvorverkauf bei
bonnticket.de

 

Öffnungszeiten Bibliothek:

Mo. - Fr.: 8.00 - 16.00 Uhr


 

Forschungen an römischen Reiterhelmen

 

Mehr Informationen in der angehängten PDF Datei Römische Helme Forschung.pdf (6,3 MB)

Die Rekonstruktion zeigt, wie es aussah, wenn der Helm, der auch das Gesicht verdeckt, getragen wurde.Rekonstruktion des Helmes mit Gesichtsmaske

Die Restaurierungswerkstätten des Rheinischen LandesMuseums Bonn restaurieren nicht nur Gemälde und archäologische Funde. Eine weitere wichtige Aufgabe dieser Einrichtung des Landschaftsverbandes Rheinland sind Forschungsarbeiten. So war das Museum maßgeblich an einer Untersuchung an ca.  2000 Jahre alten römischen Reiterhelmen beteiligt.

Vor den vier Forschern – drei Männer und eine Frau – liegen die Helmmasken auf dem Tisch. Vor den vier Forschern liegen die Helmmasken auf dem Tisch.

Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit mehren Museen und Institutionen in den Niederlanden und in Deutschland. Ausgangspunkt für die Forschungen waren archäologische Funde aus dem niederländischen Nijmegen: Hier hatte man zwischen 1986 und 2006 bei Ausgrabungen im ehemaligen römischen Militärlager größtenteils vollständig erhaltene, eiserne römische Reiterhelme entdeckt. Drei von ihnen waren zweiteilige Visiere in der Form einer Gesichtsmaske, die ehemals mit dünnem Silberblech überzogen waren.

Die drei Helme aus Nijmegen sind auf Plexiglasständern montiert.Die drei Helme aus Nijmegen

Sensationelle Funde

Es handelt sich um einen sensationellen, bislang einzigartigen Fund. Die Untersuchungen zeigten, dass die technischen Kenntnisse der damaligen Schmiede bei der Metallverarbeitung enorm gewesen sein müssen. Anhand der Fundumstände ist es möglich, die Maskenhelme in das 1. Jahrhundert nach Christus zu datieren. Römische Reiter trugen sie damals zum Schutz des Gesichtes im Kampfeinsatz, aber auch bei Paraden und Schaukämpfen.
Das Rheinische LandesMuseum Bonn zeigt einen vergleichbar seltenen, mit einer aufwendigen Silbertreibarbeit überzogenen Prunkhelm aus Xanten-Wardt. Er wurde zusätzlich für die Forschungen herangezogen. 

Herr Becker, Rheinisches LandesMuseum Bonn, legt eine Gesichtsmaske auf die Röntgenanlage.Herr Becker, Rheinisches LandesMuseum Bonn, legt eine Gesichtsmaske auf die Röntgenanlage.

Mehr zu den Untersuchungen an den Helmen…

Die Helme und die dazugehörigen Masken wurden aus den Niederlanden nach Bonn gebracht, um sie u. a. mit der neuen Röntgenanlage des LandesMuseums zu untersuchen.

Auf den Röntgenbildern konnten unter Schichten von Korrosion bislang noch nicht bekannte Details der Herstellung beobachtet werden. Es zeigte sich, dass das 2,5 mm starke Eisenblech, aus dem die Masken geschmiedet wurden, aus einem weichen, kohlenstoffarmen, mehrschichtigen Eisen bestand. Beim experimentellen Nachschmieden des römischen Eisenblechs stellte sich heraus, dass durch schichtartiges Verschmieden die Festigkeit des ansonsten weichen Materials deutlich erhöht werden konnte.  

Mehr zur Verzierung der Reiterhelme…

Bei weiteren Untersuchungen entdecken die Forscher einige einzigartige Details der Verzierungstechnik der Helme. Die Nijmegener Maskenhelme sind außergewöhnlich gut erhalten. Vermutlich konnten die Helme durch günstige, sauerstoffarme Bedingungen die 2000 Jahre lange Lagerung in der Erde so gut überstehen. Durch die dabei entstehende Korrosion, also den Zerfall des Metalls, wurden jene Salze freigesetzt, die verhinderten, dass Bakterien die bislang einzigartige Verzierung aus echten Haaren und feinsten Textilien völlig zersetzen.

Das Detail der Ornamente, mit denen der Helm verziert war, zeigt feine Flechtbänder aus Tierhaaren.Detail der Ornamente am Helm


Die Helme waren mit einer Art Perücke aus echten Haaren überzogen, die mit einer zunächst unbekannten Klebemasse am Helm befestigt wurden. Auf diese Haare hatte man Verzierungen aus feinsten, ebenfalls aus Haaren gearbeiteten Ornamenten aufgebracht. Jedes der feinen Flechtbänder ist etwa so groß wie das oberste Glied des kleinen Fingers. Die einzige bislang bekannte direkte Parallele eines so verzierten Helmes befindet sich im Regionalmuseum in Xanten.
Um herauszufinden, welches Haar – Mensch oder Tier – verwendet wurde, entnahm die Textilexpertin Proben. Diese wurden unter dem Elektronenrastermikroskop so stark vergrößert,  dass man die schuppenartige Oberfläche eines einzelnen Haares deutlich erkennen konnte. Die Anordnung und Größe der Schuppen verrieten, dass es sich um Pferdehaare handelte, die wohl aus der Mähne und dem Schweif des Tieres stammten. 
Da keine Spuren einer Vernähungen an der "Perücke" vorhanden sind, müssen  die Haare mit einem Klebmittel auf den Helmen montiert worden sein. Dabei wurde der ganze Helm zunächst mit seitlich ausgerichteten Bahnen aus Haar beklebt. Auf diese flächige Lage klebte man dann die ornamentalen Flechtbänder.

Der ganze Hinterkopf des Helmes ist mit den ornamentalen Flechtbändern wie mit einer Perücke überzogen.Hinterkopf eines Reiterhelmes mit den Verzierungen

Vorn über den Helmen verlief zusätzlich eine Art verziertes silbernes Stirnband, dass erst jetzt bei den Untersuchungen in Bonn entdeckt wurde – eine sehr aufwändige Technik, die wohl zu jener Zeit Mode war. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese Verzierungstechnik  wohl am Niederrhein entwickelt wurde. Etwa ab dem 2. Jahrhundert nach Christus ahmte man die Muster bei der Verzierung der Reiterhelme in Metall nach. Eine solche Gesichtsmaske, aus Bronze gegossen, ist im Rheinischen LandesMuseum Bonn zu sehen.    

 

Mehr zum Klebemittel der Reiterhelme…

Die Nijmegener Gesichtshelme bestanden aus zwei Teilen: einer eisernen Maske und einer darauf applizierten zweiten Maske aus dünnem Silberblech. Wie konnten die beiden Metalle dauerhaft passgenau aufeinander haften? Eine dem Bonner Prunkhelm entnommene schwarze Paste erwies sich dank der Analyse des Doerner Instituts (München) als das gesuchte Klebemittel. Es besteht im Wesentlichen aus einer Mischung aus Teerparafin, Holzteer und tierischem Fett wie Talg. Diese nicht einfach herzustellende, komplexe Substanz hält bis heute das Silberblech am Bonner Exemplar fest mit dem Eisenhelm verbunden. Sensationellerweise verwenden Silber- und Goldschmiede noch heute die selbe Mischung als so genannten Treibkitt, wenn sie Edelmetalle stark verformen wollen. Nun wissen wir, dass das heute verwendete Klebemittel bereits von den Römern gebraucht wurde.
Das ehrgeizige Ziel der Forscher ist es, alle noch fehlenden Informationen zu erhalten, um einen solchen Helm zu rekonstruieren und eine Kopie anzufertigen.

Die bisherigen, umfassenden Forschungsergebnisse konnten bereits auf der internationalen Fachtagung  "ROMEC" (Roman Military Equipment), die im Juni 2007 im Archäologischen Park Xanten / Landschaftsverband Rheinland stattfand, präsentiert werden.