Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

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LVR-LandesMuseum Bonn

Colmantstr. 14-16
53115 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 / 2070 - 0
Fax: +49 (0) 228 / 2070 - 299
E-Mail: info.landesmuseum-bonn@lvr.de

 

 

Öffnungszeiten 
Di.-Fr., So. 11.00 - 18.00 Uhr
Sa. 13.00 - 18.00 Uhr
Mo. geschlossen,

Gruppenführungen für Schulklassen ab 10:00 Uhr möglich


Eintritt:

Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

Kartenvorverkauf bei
bonnticket.de

 

Öffnungszeiten Bibliothek:

Mo. - Fr.: 8.00 - 16.00 Uhr


 

Leo Breuer


Leonard (Leo) Breuer wurde am 21. September 1893 in Bonn geboren. Früh interessiert ihn das Zeichnen.

Ernemann F. Sander, Porträt von Leo Breuer, Bronze, 1975

1912 beginnt er ein Studium an der Kunstgewerbeschule Köln, das 1915 jäh durch die Einberufung zum Kriegsdienst unterbrochen wird. Erst 1919 kann Breuer sein Kunststudium zunächst in Köln, dann in Kassel fortsetzen. Nach dessen Abschluss lebt er als freischaffender Künstler in Bonn.

Die gegenständliche Malerei
Breuer malt in dieser Zeit gegenständlich. Der Mensch und sein Lebenstraum bilden thematische Schwerpunkte seiner Arbeiten. Sie reichen von Porträts über Stadtansichten zu Landschaften und Industriesujets.

 

Leo Breuer, Der Kohlenmann. Das ganzfigürliche Porträt zeigt einen Mann, der in einer schweren Lade Kohlen auf dem Rücken trägt.

Foto: LVR-LandesMuseum Bonn

Seine früheste künstlerische Orientierung dürfte der Expressionismus gewesen sein. Die Bilder der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts stehen dann eher der Bildsprache der neuen Sachlichkeit nahe, deren Prägung bis in die 30er Jahre zunehmend spürbar wird.

Kriegsjahre und „Neuanfang" in Frankreich
Aus dem nationalsozialistischen Deutschland emigriert Breuer nach Belgien. Aufenthaltserlaubnis und Pass-Beschaffung werden für ihn wie für so
viele in den folgenden Jahren zum wiederkehrenden Problem. Schließlich wird er 1940 als „unerwünschter Ausländer" verhaftet und in Südfrankreich interniert.

Die Jahre nach 1945
1945 wird Breuer schließlich entlassen und geht nach Paris. Dieser persönliche „Neuanfang" zieht bald auch völlig neue Entwicklungen als Künstler nach sich. Er lernt Auguste Herbin kennen und beginnt, sich im „Salon des Réalistes Nouvelles" zu engagieren. Dieser versteht sich als Nachfolger der abstrakt-konstruktiven Künstler der 30er Jahre um die Gruppe „Abstraction – Création". Herbin wird zum Freund und wichtigen Impulsgeber für Breuers künstlerische Tätigkeit, die mehr und mehr zur Auseinandersetzung mit der Abstraktion wird.

Der "Neubeginn"
Schon in einigen Arbeiten der 40er Jahre sind Schritte hin zur Abstraktion zu beobachten, auch dort, wo beispielsweise das Porträt noch ausdrückliches gegenständliches Thema ist. Mit Vehemenz und Konsequenz verfolgt Breuer dann ab den frühen 50er Jahren die systematische künstlerische Untersuchung abstrakt-konstruktiver Ausdrucksweise und eines geometrischen Formenrepertoires. Dies hat vielfach dazu geführt, diesen Moment als „Neubeginn" in Breuers Œvre zu bezeichnen.

Abstraktion im Spätwerk Breuers
Zweifelsfrei ist, dass Leo Breuer von hier an bis zum Ende seines Schaffens gegenstandslos arbeitet. Zunächst lotet er die malerischen
Mittel im Kontext der Frage nach Linie, Fläche, geometrischer Form, Raum und Farbe aus. Seine Arbeiten kreisen um die Themen Rhythmus und
Bewegung, fragen nach Gewicht und Gegengewicht, nach dem Aufbau des Bildraums, nach Spannungen, Gegensätzen und Relationen von Farbenund Formen. Der Schritt von der Malfläche zum Relief weitet Breuers Untersuchungen schließlich auch physisch in die räumliche Dimension aus.

Der Betrachter als Gegenüber
Breuer bedient sich einer dezidiert geometrischen Formensprache, niemals aber sind seine Arbeiten formalistisch oder schematisch. Im Gegenteil:
Der Auseinandersetzung mit Serie, Modul und Rhythmik, steht gleichberechtigt immer ein Moment der Veränderlichkeit gegenüber - der Veränderlichkeit durch Licht und Farbe, Formwechsel oder Unterbrechung des Rhythmus. Schließlich und ganz prominent aber geht es auch um die Veränderung, die durch den Blickpunktwechsel des Betrachters entsteht. So sind Breuers Arbeiten keine rein modularen Kalküle, sondern sie treten in einen Dialog mit dem Betrachter. Mit ihm scheinen sie über das zentrale Thema, das zwischen Werk und Beschauer liegt, zu sprechen: Sehen und Wahrnehmen. Ein Sehen, das vibrieren und transformieren kann, sich verräumlicht oder verflacht, in Bewegung gerät und immer wieder schwanken kann zwischen mehreren Bildeindrücken. Vielleicht ist dies ein Grund, warum Leo Breuers Arbeiten zwar meist als konstruktivistisch, nie aber als streng, sondern oft als „lyrisch" bezeichnet worden sind.

Zitat Leo Breuer
„Ich bin kein Purist. Ich könnte den Konstruktivismus auch trockener machen, aber ich weise das Poetische nicht ab."
Gerade damit wurde Leo Breuers gegenstandsloses Spätwerk - im besten Sinne des Wortes - „eigen".