Kopien
Alle in der Restaurierungswerkstatt hergestellten Kopien werden zu musealen oder wissenschaftlichen Zwecken und nicht zum Verkauf erstellt.
Eine Auswahl an wunderschöne Reproduktionen, die sie käuflich erwerben können, finden Sie im Museumsshop des LVR-LandesMuseums Bonn.
Galvanische Kopien
In Gräbern aus keltischer, römischer und fränkischer Zeit finden sich häufig besonders kostbare Beigaben in Form von filigranen Schmuckstücken, Gefäßen aus Gold oder Silber sowie mit Edelmetallen verzierte Waffen oder Rüstungsteile. Die Erstellung von Kopien dieser wertvollen Stücke dient dem Schutz der Originale.
Die originalgetreuen Kopien werden zu Ausstellungszwecken im Haus und vor allem im Leihverkehr bei Wechselausstellungen eingesetzt. Diese Kopien können auch an andere Institute zu Forschungszwecken weitergegeben werden, ohne die Originale zu gefährden. Eine Ausführung der Kopien von Edelmetallen in nicht metallischen Werkstoffen wie Gips oder Kunstharz bringt immer ästhetisch unbefriedigende Ergebnisse hervor. Aus diesem Grunde werden solch besondere Reproduktionen mit Hilfe der Galvanoanlage in metallischem Kupfer hergestellt. In einem als Galvanoplastik bezeichneten Verfahren wird in einem sauren Bad ein elektrolytisch erzeugter Kupferniederschlag in eine zuvor vom Original abgenommene Negativform abgeschieden. Die Negativform besteht aus Silikon und wird über einen speziellen Lack elektrisch leitfähig gemacht.
Galvanoraum mit den Becken zur Vergoldung von Kupferkopien
In dieser Form baut sich ein Metallfilm auf, der bis zu einer dem Original entsprechenden Materialstärke wachsen kann. Es entsteht im Laufe vieler Stunden eine Galvanoplastik aus reinem Kupfer. Die galvanoplastische Kopie wird nach der Entnahme aus der Negativform mechanisch überarbeitet, wobei überstehendes Material wie Grate und Tropfen entfernt wird. Bei größeren Stücken wird eine Kopie manchmal auch in mehreren Einzelteilen erstellt. Dann müssen die einzelnen Galvanoplastiken zusammengesetzt und miteinander verlötet werden. Der Montage schließt sich ein zweiter galvanischer Arbeitsgang an. Dabei wird das fertig bearbeitete Stück entsprechend dem Original oberflächlich veredelt, das heißt in mehreren Arbeitsschritten vergoldet oder versilbert. Die metallischen Gold-beziehungsweise Silberüberzüge können im Falle einer abschließenden Goldplattierung hochglänzende haftfeste Goldschichten von bis zu 10 µm erreichen. Das Ergebnis stellt eine galvanoplastische Kopie mit allen optischen und materialspezifischen Eigenschaften des Originals dar.
Kunststeinkopien

Restaurator bei der Kolorierung der Kunststein-Kopie des Caelius-Steins
Es kommt häufig vor, dass antike Steinobjekte im Besitz von Privatpersonen sowie Städten und Gemeinen dem LVR-LandesMuseum Bonn übereignet werden. In solchen Fällen werden Kopien als „Dankeschön" für die Schenkung erstellt. Die Kopien können unbedenklich im Freien aufgestellt werden. Dies wäre mit den Originalsteinen nicht möglich, da sie durch die Bewitterung durch Regen und Frost im Winter zerstört würden.
Die Herstellung einer Form für einen Guss in Kunststein geschieht in mehreren Schritten.
Zuerst wird der Stein mit der Seite nach unten auf einem Brett positioniert, die später als Öffnung zum Einfüllen des Zementes genutzt wird.
Anschließend werden mehrere Lagen eines Naturkautschuks aufgetragen. Dieser bildet die Gummihaut, in der sich die Struktur der Steinoberfläche abzeichnet.
Im nächsten Schritt wird eine mehrteilige Stützform aus Gips erstellt. Ist diese ausgehärtet, wird sie Stück für Stück auseinander genommen, die Kautschukhaut an einer Längsnaht aufgeschnitten und der Stein entnommen.
Für den Guss der Kunststeinkopie wird die Form wieder zusammengebaut, nun mit der Öffnung nach oben. Mit Eisenzwingen müssen die Formteile der Gipskapsel zusammengehalten werden. Der Druck, den das eingegossenen Material auf die Gipswände ausübt, würde diese sonst auseinander schieben.
Je nach Farbe und Material des Originalsteins wird die Zementmischung mit Zuschlägen von Sand und Farbe angemischt und in die Form gegossen.
Wenn der Zement abgebunden hat, wird die Kopie aus der Form genommen. Es folgt eine Nachbearbeitung, wobei kleine Unebenheiten und Löcher sowie Gussnähte entfernt werden.
Bei Skulpturen, die im Innenraum aufgestellt werden, erfolgt abschließend noch eine Kolorierung nach dem Original.
Auftrag der Kautschukschicht zur Herstellung einer Zementkopie eines römischen Meilensteins
Gips- oder Kunstharzkopien aus Silikonformen
Für viele kleinere und mittelgroße Objekte aus Materialien wie Metall, Glas, Keramik sowie Bein und Bernstein eignet sich Gips oder Kunstharz (Epoxydharz) sehr gut als Material zur Herstellung von Kopien. Gips ist ein preiswertes und sehr gut zu verarbeitendes Material. Kunstharz hat seinen Vorzug, wo dünnwandige und transparente oder opake Materialien wie Glas, Bernstein oder Metall kopiert werden sollen. Die Verarbeitung ist aufwendiger und es müssen entsprechende Abluftanlagen im Arbeitsbereich vorhanden sein, da Epoxydharze die Gesundheit schädigen können.
Je nach der Größe und der Form des Objektes wird eine einteilige Gießform, eine zweiteilige Quetschform oder, wo es Unterschneidungen gibt, eine mehrteilige Gipskapsel hergestellt. Auch diese Formen entstehen in mehreren Arbeitsschritten.
In allen Fällen wird das Objekt vor dem Auftrag wieder in die richtige Position gebracht, entweder auf einem Brett fixiert oder in eine elastische Knetmasse eingebettet. Je nach Erhaltungszustand und Material des zu kopierenden Stückes muss seine Oberfläche vor dem Einbetten gefestigt und isoliert werden.
Dann wird das Abformmaterial Silikon in mehreren Schichten aufgetragen und im nächsten Schritt die Gipskapsel hergestellt. Ist diese ausgehärtet, kann das Objekt entnommen werden.
Für die Herstellung der Kopie werden die einzelnen Teile der Form wieder zusammengesetzt.
Je nach Ausformmaterial (Gips oder Epoxydharz) wird das Material für die Kopie in die Form eingestrichen oder eingegossen und geschwenkt.
Diese Vorgänge werden mehrmals wiederholt. Ist eine ausreichende Materialstärke erreicht, wird die Kopie aus der Form entnommen.
Jetzt erfolgt eine feine Nachbearbeitung der Kopie und eine originalgetreue farbliche Oberflächengestaltung, wobei das Original als Vorlage dient.
Ein prominentes Beispiel einer Gipskopie ist der Neandertaler, der mehrmals für verschiedene anthropologische Institute in Europa kopiert wurde.
Ein schönes Beispiel für eine Kunstharzkopie sind die Bronzeeimer aus Mehrum. Die Originale sind im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen, die Kopien wurden als Vergleichsstücke für die Ausstellung im neuen LVR-RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten erstellt.

Copyright LVR-RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten