Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

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LVR-LandesMuseum Bonn

Colmantstr. 14-16
53115 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 / 2070 - 0
Fax: +49 (0) 228 / 2070 - 299
E-Mail: info.landesmuseum-bonn@lvr.de

 

 

Öffnungszeiten 
Di.-Fr., So. 11.00 - 18.00 Uhr
Sa. 13.00 - 18.00 Uhr
Mo. geschlossen,

Gruppenführungen für Schulklassen ab 10:00 Uhr möglich


Eintritt:

Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.

Kartenvorverkauf bei
bonnticket.de

 

Öffnungszeiten Bibliothek:

Mo. - Fr.: 8.00 - 16.00 Uhr


 

Nassholzrestaurierung

Info:

Röntgenanlage

Nassholzkonservierung

Galvanoanlage

Gemälde

Nassholzrestaurierung

Röntgenuntersuchung

Kopien

Beratung

Praktika

Ansprechpartnerin:

Ute Knipprath

LVR-LandesMuseum Bonn
Bachstraße 5-9
53115 Bonn

Tel.: +49 (0) 228 / 2070 - 369
Fax: +49 (0) 221 / 82840 - 680
E-Mail: Ute.Knipprath@LVR.de

Fundlage des Flusskahns aus Kalkar-Niedermörmter in der KiesgrubeFundlage des Flusskahns aus Kalkar-Niedermörmter in der Kiesgrube

Ein Flusskahn aus der Zeit Karls des Großen

Bei Arbeiten in einer Kiesgrube bei Kalkar-Niedermörmter wurden Überreste eines Flusskahns von dem Fahrer des Schwimmbagger gefunden. Datiert wurde der Kahn um das Jahr 802 nach Christus, also zur Zeit Karls des Großen. Vergleichbare Funde gab es auch in Utrecht, Bremen und Krefeld. Sie vertreten den Typ des reinen Lastenkahns auf dem Rhein und anderen Flüssen. Das Schiff wurde in erster Linie zum Transport schwerer Güter wie Steinen und anderer Baumaterialien verwendet. Die Form ist im wesentlichen rechteckig, hat einen flachen Boden und wurde in der Regel entlang der Flussufer getreidelt. Solche Kähne wurden meist am Unterlauf der Flüsse abgebrochen und das Holz weiterverwendet, da sich der Rücktransport des Kahns gegen die Strömung nicht lohnte.

Konservierung und Rekonstruktion des Kahns für das neue Museum

Voruntersuchung

Da etwa 60 Prozent des gesamten Schiffs erhalten waren und sich das Holz in einem recht guten Zustand befand, wurde dieses Schiff für eine Präsentation im Museum ausgewählt.

Durch die lange Lagerung im Boden war das Holz des Kahns dem Erddruck ausgesetzt und es hat eine Abbau der Zellulose im Holz stattgefunden. Somit kam es zu Verwerfungen und Deformationen der einzelnen Segmente des Kahns. Dies hatte zu Folge, dass die genaue Länge, Breite sowie die exakten Winkel der Bordwände in der Fundlage von den  ursprünglichem Abmessungen abwichen.
Es wurde eine Modell im Maßstab eins zu zehn angefertigt. Mit dessen Hilfe konnte die ursprüngliche Form des Flusskahns rekonstruiert werden. Dies ist anhand der insgesamt 45 Einzelteile der erhaltenen Beplankung und der zum Teil nur noch in Bruchstücken vorhandenen 28 - von ehemals 37 - Spanten, die mit Holzdübeln verzapft waren, geschehen. Die ursprünglichen Winkel der Bordwände und die Wölbung der Bodenplanken (Kielsprung) konnten durch diesen Nachbau im kleinen wieder exakt ermittelt werden.
Als Ergebnis der Voruntersuchung konnte festgestellt werden das es sich bei dem  Schiff aus Kalkar-Niedermörmter mit einer Länge von 13,7 Metern und einer Breite von 2,6 Metern um ein typischer Flusskahn handelt, der in dieser Art bis Anfang des 19ten Jahrhunderts gebaut wurde.

Modell des Flusskahns aus Kalkar-NiedermörterModell des Flusskahns aus Kalkar-Niedermörter

Konservierung und Restaurierung

Bei der Konservierung von archäologischem Nassholz ist es das Ziel, das im Holz enthaltene Wasser ganz oder teilweise durch ein Stabilisierungsmittel auszutauschen. Dadurch verhindert man, dass das Holz im Trocknungsprozess Risse bildet ,  schrumpft oder sich verwirft. Zusätzlich erhält das Holz wieder eine gewisse mechanische Festigkeit, die ein späteres Verdübeln, kleben oder ergänzen und einen anschließenden Zusammenbau zu einem Ausstellungsstück überhaupt erst möglich macht.

Für die Konservierung wurde als Stabilisierungsmittel das künstliche wasserlösliche Wachs Polyäthylenglykol Typ 300 zur Vortränkung und Typ 4000 zur weiteren Behandlung verwand. Die Hölzer wurden in große Edelstahlbecken mit einer 40% tigen Lösung Polyäthylenglykol gegeben, welches auf  60°C erwärmt und verflüssigt wurde. Um den Austausch von Wasser gegen das Stabilisierungsmittel zu beschleunigen, wurden die Tränkungsbäder durch eine Umwälzpumpe in Bewegung gehalten. Der  Eintrag des  Polyäthylenglykols in die Hölzer dauerte etwa ein Jahr.
Für den nächsten Konservierungsabschnitt wurden die Hölzer aus den Becken entnommen, oberflächlich von überschüssigem Stabilisierungsmittel gereinigt und anschließend eingefroren. Im folgenden  Arbeitsgang wurde in einer Gefriertrocknungsanlage das restliche im Holz verbliebene Wasser sublimiert (Eis wird verdampft).
Da die Kapazität einer Gefriertrocknungsanlage begrenzt ist, musste es mehrere Durchgänge geben, bis das gesamte Holz des Kahns getrocknet war, wobei jeweils eine Beschickung sechs Wochen in der Gefriertrocknung verblieb.
Ergebnis der Konservierung: in den Hölzern bleibt als stützendes Element zur Dimensionsstabilisierung das künstliche, jetzt harte Wachs zurück.

Ausgelegte Hölzer der Bodenbeplankung  beim BootsbauerAusgelegte Hölzer der Bodenbeplankung beim BootsbauerNach erfolgreicher Konservierung wurden die Hölzer zu einem Holzbootsbauer am Niederrhein gebracht . Hier wurde  in enger Zusammenarbeit mit dem Restaurator eine dreiteilige Metallunterkonstruktion entwickelt. Diese hat zum einen die Aufgabe, die  abgebauten Originalhölzer statisch zu unterstützen, und zum anderen, ein späteres Einbringen des  13,7 Meter langen Schiffs in die neue Dauerausstellung im Rheinischen LandesMuseum Bonn (heute LVR-LandesMuseum Bonn) zu ermöglichen.

Die bereits bei der Bodenlagerung zerstörten Hölzer wurden durch neue ergänzt. Um diese Bereiche unterscheidbar zu machen, wurden diese Hölzer  in der Art der Oberflächenstruktur wie der Farbigkeit vom Original abgesetzt. Anschließend erfolgte die Montage aller Hölzer auf die Trägerkonstruktion. Hierbei wurde berücksichtigt, dass die Trennfugen der drei Teilstücke den vorhandenen Bruchlinien folgten und keine neue Schnitte im Originalmaterial vorgenommen werden mussten.

Die Konzeption des neuen Museums sah vor, das Schiff im zweiten Obergeschoss auszustellen. Da der Lastenaufzug im Museum nur fünf Meter lang und zwei Meter breit ist und somit nicht genutzt werden konnte, mussten wir uns überlegen, wie das  eine Tonne schwere Schiff an seinen neuen  Standort kommen sollte.

Einbringung eines der drei Einzelteile mit Hilfe eines Kahns durch eine Fensteröffnung im zweiten Obergeschoss des neuen MuseumsEinbringung eines der drei Einzelteile mit Hilfe eines Krans durch eine Fensteröffnung im zweiten Obergeschoss des neuen MuseumsDie Lösung bestand darin, die Schiffsteile  mit Hilfe eines Schwerlastkrans durch eine Fensteröffnung in 10 Meter Höhe von außen in das Gebäude zu heben. Dies musste in der laufenden Bauphase, vor der festen Montage der großen Glasscheiben geschehen.
Da der Stand des Innenausbaus zu diesem Zeitpunk eine endgültige Aufstellung noch nicht möglich machte, wurde das Schiff in einen Nebenraum gestellt. Dieser wurde abgedichtet und mit mobilen Klimageräten ausgestattet, da auch die Klimaanlage des Museum zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Betrieb war.
Nach 10 Monaten war es dann so weit. Auf eigens angefertigten Rollgestellen wurden die drei Segmente des Schiffes (das größte Teilstück hatte eine Länge von sieben Metern) an den vorgesehenen Standort gebracht, ausgerichtet und zusammengefügt.

Seit der Neueröffnung im November 2003 ist das Schiff im Themenbereich „Rheinland und Welt" zu sehen.

Der im Museum ausgestellte Flusskahn mit rekonstruierter TuffsteinbeladungDer im Museum ausgestellte Flusskahn mit rekonstruierter Tuffsteinbeladung