Fund des Monats
Eine Ledertasche aus Haus Pesch
Gute Erhaltungsbedingungen am Fundplatz in Erkelenz-Pesch ermöglichen die Präsentation dieser charakteristischen Gürteltasche, wie sie in Spät-mittelalter und beginnender Neuzeit häufig getragen wurde. Speziell solche, mit zwei Lederstreifen am Gürtel hängend befestigte Taschen, waren weit verbreitet. Die Pescher Gürteltasche besteht aus feinem Rindsleder und zählt mit 15 cm Breite und 11 cm Höhe zu den kleineren Exemplaren. Sie hatte zwei separate Innenfächer und ein Überschlagleder als Verschluss. Die Hauptaußennaht war mit einem zusätzlichen Vernähstreifen verstärkt. In den besonders verschleißanfälligen unteren Eckzonen zeigt die im Ganzen etwa D-förmige Tasche Spuren zweier Reparaturen, bei denen neue Lederteilstücke eingearbeitet worden waren. Auch die beiden Schlitze zum Durchzug der zum Gürtel führenden Befestigungsriemen sind vorhanden.
Geht man nach zeitgenössischen Abbildungen, so wurden derartige Taschen ausschließlich von Männern getragen. Da die mittelalterliche Kleidung noch keine eingenähten Taschen besaß führte man Geld, Schlüssel und Ähnliches üblicherweise in Beuteln und eben auch solchen Taschen mit sich. Sicher nur bei größeren und robusteren Taschen dieser Art wurde im Zwischenraum beider Gürtelbefestigungsriemen auch der ebenfalls zur Männerausstattung gehörende Dolch getragen.
Gefunden wurde die Tasche bei den Ausgrabungen auf Haus Pesch in Erkelenz-Pesch, einem ehemaligen Rittergut, das 2010 dem herannahenden Braunkohlentagebau Garzweiler gewichen ist. Zu den Besonderheiten des Fundplatzes gehören die guten Erhaltungsbedingungen für organische Materialien innerhalb des das Herrenhaus einst umgebenden Wassergrabens. Die Ausgräber konnten hier – neben Keramik, Metall- und Glasfunden auch einen reichhaltigen Fundus von Knochen sowie Leder- und Holzfunden aus dem 15. und 16. Jahrhundert bergen, wobei Konservierung und Restaurierung etlicher Objekte noch andauert.
Dass Schlüssel und Geld gut aufbewahrt werden mussten, zeigt auch die Ausstellung „Gefährliches Pflaster – Kriminalität im Römischen Reich" im LVR-LandesMuseum.
Foto: LVR-LandesMuseum Bonn